Hundesport mit Tierschutzhunden

Ich möchte mit diesen Zeilen alle zukünftigen Besitzer - aber auch alle, die schon einen Hund aus dem Tierschutz haben - auf die möglichen Probleme, mit so einem Hund Hundesport auszuüben, aufmerksam machen.

Zunächst ist im Allgemeinen, wenn der Hund gesund und für die jeweilige Sportart geeignet ist, nichts gegen Hundesport einzuwenden, solange der Sport auch noch "gesund für den Hund" bleibt und man es nicht übertreibt..

Doch erstmal muss man sich über die verschiedene, körperliche Belastung der einzelnen Hundesportarten, wie z.B. Coursing, Rennbahn, Agility informieren.

Hunde aus dem Tierschutz sollten unbedingt AUSFÜHRLICH vom Tierarzt untersucht werden, bevor der Besitzer mit seinem Hund beginnt Hundesport auszuüben!!! Oft haben Hunde alte Verletzungen, wie Brüche,
die man oftmals nicht mehr sieht. Knochen können durch Schläge gesplittert sein, Gelenke durch die Jagd zu sehr strapaziert, Kugeln und Schrot können noch im Körper stecken und vieles mehr...

Ich hatte z.B. mal einen Fall, in dem ein Tierschutz-Galgo - der sehr erfolgreich im Hundesport war - bei dem nach Jahren auf einmal Leishmaniose festgestellt wurde und ausgebrochen ist. Er wurde in den letzten Jahren nicht mehr getestet weil man sich auf den ersten Negativ-Test (unwissend) verlassen hatte. Der Halter musste erst eindringlich davon überzeugt werden, dass Hundesport von nun an Gift für den Hund ist, da jede große Aufregung und Anstrengung einfach vermieden werden musste.

Ein anderer Fall war ein bereits ausgewachsener Galgo, der unwissend mit nicht geschlossenen Wachstumsfugen (ein Defekt in der Entwicklung) Coursing gelaufen ist. Coursing geht sehr auf die Gelenke.
Diese Fehlentwicklung wurde erst bemerkt, als bereits eine Gelenksentzündung auftrat - viel zu spät also!
Das ist damit zu vergleichen, als ob man einen Welpen im Hochleistungssport laufen lässt, auch hier sind, wie man weiß, die Wachstumsfugen nicht geschlossen und es werden schwere Schäden im Gelenk und große Probleme im Alter verursacht, die meist nicht mehr zu regenerieren sind.

Wieder ein anderer schwieriger Fall - allerdings diesmal nicht bei einem Tierschutzhund - war ein Afghane, der ein zu langes Gaumensegel hatte. Beim Coursing verschluckte er dann seine Zunge, der Hund fiel zu Boden und drohte zu ersticken. Man konnte ihm noch rechtzeitig die Zunge wieder nach vorne holen und ihn durch eine Mund-zu-Nase-Beatmung wieder ins Leben zurückholen.

Man weiß gerade bei Tierschutzhunden eben nie was vorher gewesen ist, da wir selber nun mal leider nicht in den Hund reinschauen können. Meine beiden Galgos sind z.B. ein absolutes Tabu für Hundesport. Meine Joana hat einen extremen Spreizfuß und humpelt schon, wenn sie mal kurz mit anderen Hunden rennt und meine Bonnie klemmt sich immer mal wieder einen Nerv im Rücken ein, wenn sie blöde, ruckartige Bewegungen macht. Gerade meiner Bonnie sieht man das nicht an, weil sie sonst wirklich topfit ist und die anderen beim Rennen über die Wiesen alle abhängt.
Sicher würde es ihnen wahrscheinlich Spaß machen, aber es geht eben einfach nicht und dann muss man einfach zum Wohle der Tiere darauf verzichten (was mir auch nicht schwer fällt). Meine Hunde haben trotzdem genug Bewegung und Freude daran und es geht ihnen damit auch sehr sehr gut!

Und wer meint, man kann seinem Hund nur damit gerecht werden, mit ihm Hochleistungssport zu machen,
der ist meiner Meinung nach ahnungs- und einfallslos! Meine Bonnie hat z.B. großen Spaß daran mit dem Pferd zu laufen und reelmäßig mit ihren Hundefreunden wild durch die Wiesen zu toben. Hier kann sie sich bewegen wie und in welchem Tempo sie will und wird nicht durch einen Trieb gesteuert. Denn gerade die Windhunde
vergessen durch ihren zum Teil extremen Jagdtrieb, welche Schmerzen sie eigentlich haben. Viele würden - und sind auch schon - mit gebrochenen Beinen weitergelaufen, weil sie nur den Köder im Kopf hatten.

Ich würde mir wünschen, dass alle Hundesport-Vereine eine ausführliche Untersuchung bei allen und besonders den Tierschutzhunden fordern würden, um solchen Gefahren, den Hund mehr zu schaden als ihm Gutes zu tun, vorzubeugen!
Dann wäre einem Leben als Leistungshund aus medizinischen Gründen auch nichts entgegenzusetzen.

Außerdem möchte ich, dass sich die Leute, die meinen, sie müssen sich einen Hund, wie z.B. einen Galgo oder Grey, aus dem Tierschutz holen (weil sie bei Züchter zu teuer sind) nur um Hundesport machen zu können, der Tatsache bewusst sind, dass diese Hunde auch eine - uns meist ungewisse - Vergangenheit haben, die sie meistens auch körperlich sehr mitgenommen hat!